Studie · Digitale Öffentlichkeit

Plattformmacht: Risiken sind bekannt – der Rückzug bleibt unrealistisch

Eine repräsentative Studie zeigt hohe Sorgen um Meinungsbildung und Plattformmacht bei gleichzeitig geringer Verzichtsbereitschaft. Das stützt einen Ansatz aus Regeln, Schutz und Kompetenz.

2.016Befragte ab 16 Jahren
71 %sorgen sich um den Einfluss auf öffentliche Meinung
18 %können sich vollständigen Verzicht vorstellen

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01

Das zentrale Spannungsfeld

Die Studie der Bertelsmann Stiftung und der Agora Digitale Transformation untersucht, wie Menschen in Deutschland Social-Media-Plattformen und Messengerdienste wahrnehmen. Grundlage sind Gruppendiskussionen und eine repräsentative Online-Befragung von 2.016 Personen ab 16 Jahren zwischen Dezember 2025 und Februar 2026.

71 Prozent sorgen sich um den Einfluss großer Plattformen auf die öffentliche Meinungsbildung. Zugleich können sich nur 18 Prozent vorstellen, soziale Medien und Messenger vollständig aufzugeben. 73 Prozent geben an, sich mit den Risiken arrangiert zu haben.

02

Verantwortung nicht allein bei Familien abladen

Die Befragten erwarten deutliches Handeln von Plattformbetreibern und Politik. 85 Prozent unterstützen höhere Geldstrafen bei Regelverstößen; 80 Prozent befürworten bei wiederholten Verstößen weitergehende Maßnahmen bis hin zu Sperrung oder Verbot.

Damit wird sichtbar: Medienkompetenz ist notwendig, reicht aber allein nicht aus. Familien und Schulen brauchen verständliche Regeln, sichere Voreinstellungen, wirksame Rechtsdurchsetzung und Alternativen, die nicht vom Rückzug aus gesellschaftlicher Kommunikation abhängen.

03

Anschluss an die Position des LER

Der LER hat im April 2026 pauschale Verbote abgelehnt und stattdessen altersgerechte Schutzmaßnahmen, Medienkompetenz, klare schulische Regeln, Datenschutz und pädagogische Begleitung gefordert.

Die Studie ergänzt diese Linie um die strukturelle Ebene: Nicht nur individuelles Verhalten, sondern auch Plattformdesign, Marktmacht und Regulierung bestimmen, wie sicher und selbstbestimmt digitale Teilhabe gelingt.

04

Was Eltern und Schulen konkret prüfen können

Öffentlich verständliche Schulregeln, bekannte Hilfewege bei Cybermobbing, ein pädagogisches Konzept für KI, regelmäßige Elterninformation und qualifizierte Ansprechpersonen bilden die lokale Ebene.

Auf Landes- und Bundesebene gehören Datenschutz, Rechtsdurchsetzung, Fortbildung, digitale Souveränität und die Finanzierung sicherer Lernplattformen in denselben Prüfrahmen.

Quellen & Dokumente

Bertelsmann Stiftung · Plattformmacht und Regulierung, 30.06.2026Agora Digitale Transformation · StudieLER · PM 7/2026